Ein Anruf vom Burda-Verlag – Oder: Wie Qualitätsjournalismus heute so funktioniert

Montag, 24. August 2009 von Stephan

Das Wort Qualitätsjournalismus wird in den letzten Wochen arg strapaziert.Im Grunde geht es darum, dass manche Verlage nicht verstehen können, dass ihre Inhalte nicht so hochwertig sind, als dass das ‘Netz’ diese nicht auch kostenfrei selbst zur Verfügung stellen könnte. Die Verlage drehen daraufhin gerne den Spieß um und schießen gegen alles, was ‘Netz’ beinhaltet oder klauen selbst Inhalte aus dem Netz, denn “dort darf man das ja alles” – Bei der Sueddeutschen ist eine Fotogalerie, in der nur aus dem Netz geklaute Bilder zusammengetragen wurden, mittlerweile vom Netz genommen worden. Es werden sich wohl die Rechteinhaber beim Qualitätsjournalisten gemeldet haben und Zweifel an der ausgeübten Praxis angemeldet haben. Im Idealfall dann auch Schadensersatzforderungen.

Doch zur Sache: Eben klingelte das Telefon, ein Mitarbeiter des Burda-Verlags – genau dem Verlag, der das Internet in den letzten Monaten als die Wurzel allen Übels herauskristallisieren konnte. Der Redakteur Herr M., tätig für das renommierte Journal ‘Super Illu’ möchte in den nächsten Wochen ein Sonderheft über M-V produzieren, ihm fehlt allerdings dank mitteldeutschem Akzent offensichtlich die Ortskundigkeit. Was tut man also als Qualitätsjournalist? Na klar: Man versucht erst, das Internet zu fragen (pfui, böses Internet!) und wenn man dort nicht an seine Antworten kommt (Zitat: Wieso kann ich denn bei Ihnen nicht all diese Orte finden, die ich suche?), dann versucht man eben, diejenigen, die im Netz aktiv sind, kostenfrei als Rechercheersatz herzunehmen. Ja, genau: Der Herr M. von der Super Illu rief hier eben tatsächlich an und erwartete von mir, dass ich seine Recherchearbeit übernehme. Ich möge ihm doch mal bitte die angesagtesten Locations, die kommenden Open Air Highlights und all sowas aufzeigen. Auf meine Frage, was ich davon habe, dass ich seine Arbeit erledige, er dafür am Ende bezahlt würde und ich nicht, antwortete der Qualitätsjournalist, ich hätte dadurch ja einen kollegialen Kontakt hinzugewonnen. Ein kollegialer Kontakt! Sehr geehrter Herr M. Wenn Sie einen kollegialen Kontakt zu mir wünschen, dann kommen Sie doch gerne auf ein Feierabendbier zu uns, kommen Sie gerne mit uns an den Strand zum Surfen, lassen Sie sich etwas Schönes einfallen. Aber versuchen Sie bitte nie wieder, mich als Ihren unbezahlten Burschenjungen für Ihren sterbenden Qualitätsjournalismus einzuspannen. Das dürfte dem kollegialen Verhältnis wirklich nicht zuträglich sein, seien Sie sich dessen bitte gewiss.

Und eins möchte Ich abschließend nicht unerwähnt lassen: Wenn Sie mich schon als den Stallburschen für Ihren Qualitätsjournalismus betrachten, dann erwarte ich von Ihnen, dass Sie mich am Ende eines Telefonats, in dem ich Ihnen zweimal zu erklären versuche, nicht Ihre Arbeit für Sie zu erledigen, wenigstens freundlich verabschieden. So ein dahergeschmissener Telefonhörer und das kollegiale Verhältnis – na Sie wissen schon…

Sich ehrfürchtig verneigend, Ihr Stephan Chudowski

Eine Antwort zu “Ein Anruf vom Burda-Verlag – Oder: Wie Qualitätsjournalismus heute so funktioniert”

  1. PitSchnass sagt:

    looooooool hättest ja wohl mal machen können…laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaach

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