Last.fm und das U2-Desaster [UPDATE] [UPDATE2]
Eines vorweg: ich LIEBE Last.fm. Ich hab es schon benutzt, als es als kleines Projekt Audioscrobbler hieß und ich nutze es auch heute, nachdem es für sehr viel Geld von CBS übernommen wurde. Einfach deshalb, weil ich die Idee geil finde.
Doch das Image von Last.fm bekam heute für mich einen Kratzer. Sogar einen erheblichen Kratzer. Bei Nerdcore las ich, dass Last.fm evtl. die Daten der gespielten Tracks direkt an die Labels weitergeben könne, wenn z.B. Musik gespielt würde, die offiziell noch gar nicht erschienen ist, wie es gerade beim neuen Album von U2 massiv der Fall zu sein scheint. Dieses ist offenbar seit einigen Tagen in einschlägigen Quellen zum kostenfreien Download erhältlich, obwohl offizieller Releasetermin wohl erst in einigen Tagen ist.
Nun bin ich sicher kein Freund davon, Künstler um ihre Kohle zu bringen, ganz gewiss nicht. Aber noch viel weniger bin ich ein Freund davon, Nutzerdaten weiterzugeben oder diese sogar für lächerliche Klagen zu missbrauchen. Daher kam mir gerade eine kleine Idee, nämlich die von den sog. false positives. Um die Klagewut der RIAA auszubooten, habe ich eine ZIP-Datei mit 11 Liedern hochgeladen, die allesamt unter CC-Lizenz stehen und sehr toll sind. Die Lieder haben in iTunes schnell von mir neue Tags bekommen, sodass sie jetzt für Last.fm so aussehen, als wären sie das neue Album von U2. Und Last.fm fällt auch prompt darauf rein, wie mein Profil dort schön zeigt. Nun kommen wir zum spannenden Teil der Sache. Denn nun bist du gefragt, lieber Leser: Lad dir die 11 Tracks herunter und spiel sie so oft wie du kannst – natürlich bitte immer mit aktiviertem Last.fm-Plugin versteht sich. Und dann wollen wir doch alle gemeinsam mal sehen, wie weit eine mögliche Klage der RIAA kommt. Ich bin sehr gespannt
P.S.: Natürlich möchte ich an dieser Stelle die Credits für die Künstler der Musik, die ihr euch dann wirklich anhört, nicht unterschlagen. Titel 1 bis 7 stammen von Skipless – Rooftops EP und die Titel 8 bis 11 stammen von Violent Public Disorderaz – Sadness In Square EP und sind allesamt unter dieser CC-Lizenz erschienen. Wer die Musik mag, kann hier ähnliche Sachen finden. Viel Spaß beim Hören und beim Verwirren
UPDATE: Uwe vermutet, dass es sich hierbei um eine PR-Aktion von U2 handelt und Last.fm nur als Messinstrument missgebraucht wird. Das mag ich nicht ganz glauben, da die Musikindustrie im Verschenken noch nicht wirklich groß ist und sie sich gegen derartige Modelle auch mit aller Macht stemmen, Aktionen von Radiohead vielleicht mal ausgenommen. Wobei ich selbst hier noch einen gewaltigen Unterschied sehe: Beim Radiohead-Download musste man seine E-Mailadresse hinterlassen, um zum Download zu gelangen – ich kann mir nicht vorstellen, dass die Musikindustrie schon soweit ist und komplett auf alle derartigen Mechanismen verzichtet, auch wenn Forbes schreibt, dass gerade einmal noch knapp 1/8 des Umsatzes aus den Plattenverkäufen stammen… Zudem würde die Musikindustrie niemals auf PR in den Quellen setzen, die sie verteufelt, nämlich Torrent-Netze. Das würde ja irgendwie auch Nutzer, die so etwas evtl. noch nicht kennen, auf die Idee bringen, dort zu suchen und evtl. finden sie da ja auch noch ganz andere Sachen, diese Theorie ist also wirklich gänzlich abwegig!
UPDATE2: Nerdcore hat den Artikel mittlerweile widerrufen, da einer der Gründer von Last.fm in einem Forum den Vorwürfen widersprochen hat und sie komplett abstreitet. Der Gründer ist gleichzeitig recht erbost über den Techcrunch-Artikel und das Recherche-Niveau bei denen, da solch eine Anfrage nie vorgelegen habe und auch nicht beantwortet würde. Man arbeite zwar eng mit der Musikindustrie und versorge diese mit Statistiken, diese seien aber komplett anonymisiert, heißt es. In welchem Umfang die Statistiken herausgegeben werden, bleibt aber weiter unklar.
