Was is letzte Preis Kollega?

Dienstag, 17. November 2009 von Hieronymus

Ich musste leider meinen heiß geliebten VW Bus verkaufen, da der Tüv abgelaufen und eine Restauration für mich nicht sinnvoll war. Dementsprechend wurde der T4 auf einer Gebrauchtwagenbörse im Internet angeboten. Innerhalb von 24 h hatte ich das wirklich große Vergnügen, mich mit vielen ausländischen Mitbürgern zu unterhalten… öhm teilweise eher zu verständigen. Interessant fand ich vor allem, dass sich mindestens 60% der Exporteure intuitiv aus der tieferen “Verkaufspsychologieschatzkiste” bedienten. Sätze wie, “Angebot is 100 mehr als ich wolle! Mussu mir entgegen komme” (Reziprozität), “Angebot gilt nur jetzt, sonst lege auf” (Verknappung des Angebotes), “wegen 100 Euro willsu Deal platzen lassa? Kriegst woanders nix mehr” (Angstmotiv anregen, ich würde das Auto sonst NIE loswerden) zeugen davon. Der absolute Klassiker war natürlich auch bei jedem Gespräch (meist gleich zu Anfang) dabei: “was is letzte Preis, Kollega?“. Das scheint eine sehr wichtige Strategie zu sein, denn dadurch wird gleich zu Anfang impliziert, dass der Preis deutlich verhandelbar und ein Festpreis inakzeptabel ist. Auch bei dem eigentlichen Verkaufsgespräch vor Ort hätte ich mit einer solchen Penetranz nicht gerechnet. Mir wurde ein verminderte Kaufpreis in Bar schon in die Hand gedrückt und die “extremen Mängel” des Fahrzeuges vorgeführt. Hei jei jei. Irgendwie hat es funktioniert, denn ich bin dem Käufer 150 Euro entgegengekommen. Soviel Mühe muss ja auch belohnt werden :-)

Vielleicht sollte das eine oder andere Verkaufsseminar von Gebrauchtwagen-Exporteueren abgehalten werden. Mit Sicherheit wird danach der Verkauf optimiert. Wer keinen Wert auf seriöses Geschäftsgebaren und nachhaltige Kundenbeziehung legt, dürfte hier bestens bedient sein :-)

5 Antworten zu “Was is letzte Preis Kollega?”

  1. Karl sagt:

    Das Benutzen/ Verschriftlichen eines — vermeintlichen — Akzents bedient hier m.E. klassische Stereotype, die mitunter latent rassistisch anmuten, und jeglicher komödiantischer Grundlage entbehren.
    Die strukturellen Elemente einer Verkaufspsychologie (Intention des Eintrags) lassen sich auch ohne das Benutzen dieses “Akzents” verdeutlichen.

  2. Hieronymus sagt:

    Das tut mir Leid, dass es so aufgenommen wurde. Rassismus war ganz sicher keine Intention. Ganz im Gegenteil ist es interessant, wie sich Sprache und Handlungsweisen aus unterschiedlichster Kulturen zusammensetzt. Sehr spannend war der Mix aus Muttersprache und der Fremdsprache, in Kombination mit intuitiv angewendeten Methoden der Verkaufspsychologie. So wie sich die potentiellen Käufer verständigt und Verhandlungsgeschick bewiesen haben, würde ich auch gern Fremdsprachen beherrschen!

  3. Stephan sagt:

    @Karl: Es ist ein Unterschied, ob man derartige Elemente als stereotype Platitüden zum Anreichern seines Textes nutzt oder einfach tatsächliche Begebenheiten zitiert. Der Kontext macht hier die Aussage. Da ich den Gesprächen live beiwohnen durfte, kann ich nur bestätigen, dass es sich hier um Zitate handelt und nicht um den plumpen Versuch, die political correctness unserer Leser auf die Probe zu stellen.

    Grüße vom Spion, Stephan

  4. Karl sagt:

    Die Verballhornung eines nicht akzentfreien Deutsches (“Mussu …”, …) sollte m.M. nach nicht als “Anreicherung eines Textes” benutzt werden, da es für eine Kontextualisierung nicht zwingend notwendig ist. Ich werfe dem Autoren in persona keinen intentionierten Rassismus vor, sondern möchte darstellen, dass die assoziative Zuordung des “Akzentes” den Mechanismen struktureller Rassismen unterliegt.

  5. token80 sagt:

    Geil, Bullshit Bingo!!!

    Ich denke nicht, dass dem Verfasser des Eintrags nicht vorgeworfen werden kann, dass er in entferntester Weise Menschen mit Migrationshintergrund kritisieren oder gar verballhornen wollte. Die Intention liegt ganz klar auf der Verdeutlichung der unbewussten Verkaufsstrategien o.g. Personen. Aber wie Karl ja auch richtig formuliert hat, steht es ihm frei eine eigene Meinung zu dem Blogeintrag zu formulieren, auch wenn er es mit einer Abkürzung verstecken will.
    Zudem ist in den Äußerung des Herrn Doktors keinerlei Andeutung bezüglich des Rasse(n)begriffs zu finden. Möglich, dass Sozialwissenschaftler eine eigene Definition entwickelt haben, aber per historischer Begriffsdeutung und -auslegung ist keine rassistische Entgleisung festzustellen. Außerdem: traue keiner Definition, die du nicht selbst in der Wikipedia verfälscht hast.

    So, jetzt aber ab auf den Topf.

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